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Ausbau der Ganztagsschulen: Was bedeutet das für die Sportvereine?

Kategorie: Deutscher Olympischer Sportbund, Service
13.06.2018 14:11

CDU, CSU und SPD planen eine Grundgesetzänderung: Das Kooperationsverbot in der Bildungspolitik soll fallen. In zwei Kurzinterviews beantworten der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Oliver Kaczmarek, sowie die sportpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Britta Dassler Fragen rund um das Thema dem DOSB.

CDU, CSU und SPD planen eine Grundgesetzänderung: Das Kooperationsverbot in der Bildungspolitik soll fallen. Dadurch kann sich der Bund in Zukunft stärker am Ausbau von Schulen beteiligen; zudem soll ein Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung eingeführt werden. Damit wolle man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) beschäftigen sich seit Beginn des Ganztagsschulausbaus mit der Frage, welchen Einfluss die veränderte Situation auf die Sportvereine und ihre Arbeit hat. Die Kooperation von Sportvereinen und Schulen ist inzwischen etabliert, erprobt, aber an vielen Stellen auch immer wieder Herausforderung für die Vereine.

Drei Fragen an Oliver Kaczmarek (SPD)

DOSB: Wie ist der Diskussionstand in Sachen Kooperationsverbot?

KACZMAREK: Nachdem wir bereits 2017 das Kooperationsverbot mit der Änderung des Artikels 104 c im Grundgesetz gelockert haben, konnte der Bund erstmals wieder finanzschwache Kommunen bei Investitionen in ihre Schulinfrastruktur unterstützen. Jetzt hat die SPD im Koalitionsvertrag durchgesetzt, dass der Artikel 104 c erneut geändert wird. In der geänderten Fassung soll die Beschränkung auf finanzschwache Kommunen gestrichen werden. Damit schaffen wir das Kooperationsverbot für Investitionen in die Bildungsinfrastruktur vollständig ab.

Der Gesetzesentwurf ist bereits im Bundeskabinett beschlossen und ist auf dem Weg der parla-mentarischen Beratung. Wir erwarten einen Abschluss des Verfahrens in diesem Jahr. Damit kann der Bund alle Kommunen in Deutschland bei Investitionen in die Schulen unterstützen. Das ist für uns auch eine Frage der Gerechtigkeit. Mit dem Digitalpakt wollen wir diese Möglichkeit direkt nutzen, um die digitale Ausstattung der Schulen mit W-LAN und Smartboards voranzutreiben.

Wir brauchen für die Änderung des Grundgesetzes aber auch die Stimmen weiterer Parteien. Ich appelliere daher besonders an die Parteien, die in den Ländern Verantwortung tragen, für die Änderung des Grundgesetzes zu stimmen. Wir sind im Interesse unserer Kinder aufgerufen, diese Entscheidung zu einem Erfolg zu führen.

DOSB: Wie sollte am besten der Lebensraum Schule gestaltet werden, wenn wir an die Einbindung von außerschulischen Akteuren denken?

KACZMAREK: Mit dem Ausbau des Ganztags, den wir als SPD von Beginn an vorangetrieben haben, hat sich der Lebensraum Schule stark verändert. Im offenen Ganztag engagieren sich zahlreiche außerschulische Akteure, insbesondere auch Sportvereine. Ich empfinde das als eine Bereicherung für die Schulen in unserem Land.

Gleichzeitig ist es der SPD schon immer wichtig gewesen, unsere Schulen als einen besonderen Schutzraum zu verstehen. Das bedeutet, dass die Entwicklung unserer Kinder nicht durch kommerzielle oder weltanschauliche Interessen beeinflusst wird. Das ist für uns auch eine Lehre aus der deutschen Geschichte.

DOSB: Wie erleben Sie es: Gibt es genug Bewegungszeiten und Sport an der Schule?

KACZMAREK: Ich erlebe, dass sich die Gestaltung des Unterrichts in der Schule wandelt. Was früher als klassischer Frontalunterricht Standard war, ist einer deutlichen Kritik unterzogen worden. In der heutigen Ausbildung von Lehrern wird viel Wert darauf gelegt, dass moderne pädagogische Konzepte, die auch das Bedürfnis von Kindern nach Bewegung berücksichtigen, ihren Weg an die Schulen finden.

Mir ist wichtig, dass die individuellen Bedürfnisse einer Schulgemeinschaft bei der Gestaltung der Schule berücksichtigt werden. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass Probleme an der Schule im Sinne aller Beteiligten angegangen werden und dazu zählt für mich auch Bewegungsmangel.

Drei Fragen an Britta Dassler (FDP)

DOSB: Wie ist der Diskussionsstand in Sachen Lockerung des Kooperationsverbots?

DASSLER: Die FDP hat sich bereits seit geraumer Zeit für eine Lockerung des Kooperationsverbots eingesetzt. Allerdings unter verbindlichen Rahmenbedingungen. Zum einen müssen bundesweite, einheitliche Bildungs- und Qualitätsstandards festgelegt werden, damit der Mobilitätsgrad junger Familien nicht durch das eigene Bundesland vorbestimmt wird und die Qualität der Bildung nicht vom Wohnort abhängt. Zum anderen müssen die vorgesehenen finanziellen Mittel im Bereich der Bildung mit Augenmaß und Weitblick eingesetzt werden. Mit anderen Worten: Es reicht nicht aus, in Beton und Geräte zu investieren, es wird vor allem darauf ankommen, von der digitalen Infrastruktur während des Unterrichts sinnvollen Gebrauch zu machen und dafür sind entsprechend qualifizierte Lehrkräfte notwendig.

DOSB: Wie sollte am besten der Lebensraum Schule gestaltet werden, wenn wir an die Einbindung von außerschulischen Akteuren denken?

DASSLER: Dahinter verbirgt sich die Frage, welchen Stellenwert wir der Bildung unserer Kinder einräumen. Ich bin der Ansicht, dass Bildung die wichtigste gesellschaftspolitische Aufgabe ist; denn nur wer gebildet ist, hat die besten Chancen, was aus seinem Leben zu machen. Letztendlich ist es Ausdruck von Wertschätzung unseren Kindern gegenüber, den Anspruch zu formulieren und über die besten Bildungskonzepten zu streiten, statt vorschnell Dinge abzulehnen, nur weil sie neuartig oder zunächst schwer realisierbar erscheinen.

Was die Frage der Einbindung von außerschulischen Akteuren in den schulischen Lebensraum anbelangt, so vertiefen sich die Aufgabenfelder der Sportvereine im Zuge der konzeptionellen Weiterentwicklung der Ganztagsschule. Es wird also seitens der Schulen darauf ankommen, auf eine Kooperationspartnerschaft zu setzen, statt in den Vereinen den bloßen Dienstleister zu sehen. Kooperatives Handeln zwischen der Schule und den außerschulischen Akteuren sollte im Vordergrund stehen. Nur so lässt sich ein Bildungskonzept praktizieren, das zukunftsfähig ist, in dessen Mittelpunkt die Schüler stehen.

DOSB: Wie erleben Sie es: Gibt es genug Bewegungszeiten und Sport an der Schule?

DASSLER: Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die geistige und die körperliche Verfassung einander bedingen. Unter sich fortwährend ändernden Verhältnissen muss jedoch die Beurteilung über eine angemessene Balance beider Pole immer wieder neu austariert werden. Plausibel erscheint mir, dass die Bedeutung der sportlichen Betätigung durch die zunehmende Einbindung von digitalen Elementen an Schulen eine Aufwertung erfahren wird.

 

 

 

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