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Feuerwerk der Turnkunst

16.12.2020 08:00

Feuerwerk der Turnkunst muss erneut verschoben werden - die HARD BEAT Tournee findet nun zum Jahreswechsel 2021/2022 statt.

Pressemitteilung vom 16.12.2020

Europas erfolgreichste Turnshow leidet wie so viele andere kleine und große Kultur- und Sportveranstaltungen ganz besonders unter der COVID-19-Pandemie. Zuletzt wurde das Feuerwerk der Turnkunst bereits ins Frühjahr verschoben, jedoch ist es aufgrund der anhaltenden Pandemiesituation und des weiterhin hohen Infektionsgeschehens unumgänglich, die HARD BEAT Tournee erneut zu verschieben. Sie geht nun vom 29. Dezember 2021 bis zum 29. Januar 2022 auf Deutschlandreise.

„Wir sind natürlich sehr traurig, dass wir erneut diesen Schritt gehen müssen. Die aktuelle und auch prognostizierte Lage macht es leider immer noch nicht möglich, dass unser Feuerwerk der Turnkunst in prall gefüllten Hallen stattfinden kann. Schweren Herzens müssen wir deshalb die Tournee leider ein weiteres Mal aufgrund der vorherrschenden COVID19-Pandemie verschieben. Aber seien Sie sicher – unser Feuerwerk der Turnkunst Team arbeitet weiterhin mit Herzblut, Kreativität und nach vorn gerichtetem Blick daran, die HARD BEAT Tournee erneut zu einem einzigartigen Showerlebnis werden zu lassen. Grundsätzlich wünsche ich mir von der Politik, dass die Bedeutung der Kultur in der Gesellschaft größere Berücksichtigung findet, schließlich ist die Veranstaltungs-Branche der sechstgrößte Wirtschaftszweig überhaupt in Deutschland. Wenn Veranstaltungen nur mit halber Auslastung spielen dürfen, können sie das nur, wenn für nicht verkaufbare Plätze ein finanzieller Ausgleich geschaffen wird. Der neueste Vorschlag von Finanzminister Olaf Scholz, der genau in diese Richtung geht, würde der Veranstaltungswirtschaft genau die Planungssicherheit für die zweite Jahreshälfte 2021 bringen, die sie benötigt“, erläutert Wolfram Wehr-Reinhold, Geschäftsführer der veranstaltenden Turn- und Sportfördergesellschaft mbH, die erneute Verschiebung.

Tickets und Infos:

Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit für die neuen Termine. Fragen zur Abwicklung per E-Mail an ticketservice(at)ntbwelt.de oder telefonisch unter 0511-98097 98. 

Alle aktuellen Informationen und die neuen Termine der HARD BEAT Tournee gibt es auf www.feuerwerkderturnkunst.de.

 

Feuerwerk der Turnkunst: Eine ganze Branche leidet
Interview mit Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold

Europas erfolgreichste Turnshow leidet wie so viele andere kleine und große Kultur- und Sportveranstaltungen ganz besonders unter der COVID-19-Pandemie. Zuletzt wurde die Feuerwerk der Turnkunst HARD BEAT Tournee wie so viele andere Events auf den Winter 2021/22 verschoben. Wolfram Wehr-Reinhold, Geschäftsführer der Turn- und Sportfördergesellschaft mbH (TSF) und Produktionsleiter des „Feuerwerk der Turnkunst“, spricht im Interview über die beispiellose Krise der Veranstaltungsbranche, Fördermöglichkeiten und Perspektiven.

Herr Wehr-Reinhold, in welche Branche gehört das Feuerwerk der Turnkunst - Kultur oder Sport?

Der Profisport finanziert sich überwiegend durch Sponsoring und Lizenzeinnahmen aus TV-Übertragungen und kann sich dadurch in diesen Zeiten halbwegs über Wasser halten, professionelle Kulturveranstaltungen hingegen eher durch Einnahmen aus dem Ticketverkauf. So gesehen ist das Feuerwerk der Turnkunst eher im Bereich Kulturveranstaltung angesiedelt, auch wenn wir dabei eine Sportart – das Turnen - in all seinen Facetten auf Weltklasse-Niveau präsentieren.

Welche Förderungen und Soforthilfen können für das Feuerwerk der Turnkunst beantragt werden?

Wir versuchen natürlich alle möglichen Förderprogramme anzuzapfen, um uns über Wasser zu halten. Bisher wurde uns im Rahmen der Überbrückungshilfe I lediglich ein fünfstelliger Betrag an Fördergeldern bewilligt, wir verbuchen aber zurzeit weniger als fünf Prozent der üblichen Einnahmen. Bei einem Gesamtumsatz von rund 4,5 Millionen Euro allein für das Feuerwerk der Turnkunst, können wir mit dieser Fördersumme kaum unser Personal für ein bis zwei Monate bezahlen, in keiner Weise gleicht es jedoch unsere Einnahmenverluste aus. Mit der Einführung der November- und Dezemberhilfen für Veranstalter könnte nun ein Wirtschaftsprogramm wirksam werden, dass uns zumindest über diese beispiellose Krise hinweghilft.

Ende Oktober wurden die von der Veranstaltungsbranche langersehnten Ergebnisse aus der Konzert-Studie in Leipzig veröffentlicht. Welche Auswirkungen könnten die Ergebnisse und daraus resultierenden Empfehlungen für das Feuerwerk der Turnkunst haben?

Die Ergebnisse zeigen, dass Veranstaltungen wie das Feuerwerk der Turnkunst in naher Zukunft möglich sind – limitierender Faktor sind derzeit die fehlenden Belüftungssysteme in einzelnen Hallen. Diese müssten schnellstmöglich nachgerüstet werden. Moderne Arenen, wie die Barclaycard Arena in Hamburg oder die Mercedes-Benz Arena Berlin, dürften solche Anlagen längst besitzen. Selbst Abstandsregelungen könnten eingehalten werden, zumal ja Familienmitglieder aus einem Haushalt ohne Abstand nebeneinandersitzen dürften. Das könnte dazu führen, dass wirtschaftlich rentable Großveranstaltungen mit einer machbaren Hallenauslastung möglich sind. Die Rahmenbedingungen, wie Einlass und Besucher-Catering, ließen sich sicher studienkonform von den Hallenbetreibern lösen.

Je nachdem, wie schnell Belüftungssysteme nachgerüstet werden, ein Impfstoff gefunden und die COVID-19-Pandemie eingedämmt werden kann: Wäre ein Feuerwerk der Turnkunst, das open air stattfindet, eine Alternative für die Zukunft?

Nein, dies wäre keine Alternative. Zum einen lebt das „Feuerwerk“ von der Nähe zum Publikum. Da geraten wir in den großen Arenen mit einer Kapazität von 10.000 Zuschauern schon an unsere Grenzen. Es gehört einfach dazu, in die Geschichte und die Atmosphäre einzutauchen und emotional ganz nah an den Künstlern zu sein. In einem 40.000 Menschen fassenden Stadion, in dem zwischen den Besuchern ein Abstand von 1,50 Meter gehalten werden kann, kann das mit dem bestehenden Konzept nicht funktionieren. Zum anderen könnten wir nicht die räumlichen und technischen Voraussetzungen einer großen Halle nutzen, müssten alle Traversen und Haltevorrichtungen selbst mitbringen und installieren. Das würde unseren Fuhrpark allein für die Veranstaltungstechnik auf 40 Trucks à 40 Tonnen aufblasen. Die Produktionskosten würden ins Unermessliche steigen. Und damit hätten wir das gleiche Problem wie mit einer nur 50-prozentigen Auslastung der Hallen.

Wie gestaltet sich zurzeit die Arbeit an der HARD BEAT Tournee 2021?

Die musikalischen Kompositionen sind fertig, die Einzelwerke der Artisten entstehen. Durch die Verschiebung der Tournee haben wir zurzeit eher mehr Arbeit als normalerweise, vor allem im Bereich der Kreativabteilung. Zudem macht die Unsicherheit es im Moment schwer, die Energie aufrechtzuerhalten. Ich bin froh, dass uns das bisher dennoch super gelungen ist. Wir halten mit den Künstlern engen Kontakt – vor allem unsere Regisseurin Heidi Aguilar und unser musikalische Leiter Rick Jurthe sind in engem Austausch mit den Artisten. Spätestens wenn klar ist, wann wir wieder spielen können, wird es bei allen mit Sicherheit einen wahnsinnigen Energieschub geben. Parallel arbeiten wir aber auch schon an der nächsten Tournee.

Steht alle Künstler des HARD BEAT Ensemble auch zum neuen Tournee-Zeitraum im Winter 2021/22 zur Verfügung?

Wir haben uns frühzeitig mit den beteiligten Künstlern verständigt, dass sie uns für HARD BEAT auch für einen Ersatzzeitraum im Winter 2020/21 zur Verfügung stehen. Alle gebuchten Künstler werden somit mit dieser Show auf Tournee zu gehen.

Was wäre Ihr Wunsch an die Regierung?

Ich wünsche mir insbesondere, dass die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft größere Berücksichtigung findet, schließlich ist die Branche der sechstgrößte Wirtschaftszweig überhaupt in Deutschland. Wenn Veranstaltungen nur mit halber Auslastung spielen dürfen, können sie das nur, wenn für nicht verkaufbare Plätze ein finanzieller Ausgleich gezahlt wird. Der diesbezügliche Vorstoß von Finanzminister Olaf Scholz, einen Schutzschirm für Veranstalter im Jahr 2021 zu bilden, um Ausfälle oder Corona-bedingte Einschränkungen finanziell auszugleichen, würde Veranstaltern die notwendige Planungssicherheit geben, Großveranstaltungen wie das Feuerwerk der Turnkunst ab dem kommenden Jahr wieder durchzuführen.

Das Gespräch führte Heike Werner

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