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Für Deutschland in Finnland

Kategorie: Orientierungslauf
05.08.2017 16:30

Anfang Juli nahmen die bayerischen OL-Nationalläuferinnen Mareike und Isabel Seeger an den Junioren-Weltmeisterschaften in Tampere teil. Hier erzählen sie, wie es ihnen dort erging.

Isabel und Mareike Seeger (v.l.) im Mitteldistanz-Qualifikationsrennen der JWOC 2017 in Tampere

Isabel und Mareike Seeger (v.l.) im Mitteldistanz-Qualifikationsrennen der JWOC 2017 in Tampere

Ungewohnt, aber stilvoll präsentierte sich das deutsche JWOC-Team zum abschließenden Nationendinner.

Ungewohnt, aber stilvoll präsentierte sich das deutsche JWOC-Team zum abschließenden Nationendinner.

Was vor einigen Jahren noch eine große Sensation war, entwickelt sich nun schon zu einer schönen Tradition: bayerische Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufer im Nationaltrikot. Die Nachwuchsarbeit hat sich stetig verbessert, so dass mittlerweile jedes Jahr Bayern auf internationaler Bühne antreten.

In diesem Jahr nominierte der Trainerrat des deutschen Nachwuchskaders die Zwillingsschwestern Mareike und Isabel Seeger (beide OLG Regensburg) für die Junioren-Weltmeisterschaften (JWOC) im finneischen Tampere Anfang Juli. Die Wettkampfwoche, in der alle vier Hauptdisziplinen gelaufen werden, ist für die Junioren jedes Jahr der wichtigste Termin im Kalender. Innerhalb einer Woche treten die Läufer zur Mitteldistanz-Qualifikation, dem Mitteldistanz-Finale, der Sprintdistanz, der Langdistanz sowie der Staffel an, so dass in sieben Tagen fünf Läufe stattfinden.

Die beiden Regensburger Juniorinnen hatten sich durch kontinuierlich starke Ergebnisse im vergangenen Jahr und im Frühjahr 2017 für die JWOC empfohlen. Mareike holte Silber an den Deutschen Mitteldistanz-Meisterschaften Mitte Mai, Isabel Bronze. Mareike wäre in Regensburg sogar fast deutsche Sprint-OL-Meisterin in der Damenelite geworden. Am Ende fehlten gerade einmal sieben Sekunden, aber Silber war auch so auf jeden Fall ein Ausrufezeichen. Zudem zeigten die beiden Studentinnen an allen Kaderlehrgängen und den internationalen Reisen, wie einem Vorbereitungstrainingslager in Portugal, dass sie in Deutschland zu den besten drei ihrer Klasse gehören. Auch die aktuelle Bundesrangliste führt Mareike auf Rang zwei, Isabel folgt unmittelbar dahinter.

Daher überraschte die Nominierung nach Finnland nicht all zu sehr. Dem anspruchsvollen finnischen Gelände fühlten sich beide auch gewachsen, was gleich der erste Wettkampf der anstrengenden Woche bewies: beide qualifizierten sich in der Mitteldistanz für das A-Finale. Isabel hatte 16 Sekunden Vorsprung auf den Rang, der nicht mehr gereicht hätte, Mareike sogar nur zwei. "Das war echt knapp, obwohl ich im Ziel dachte, dass müsste auf jeden Fall klappen. Es war doch sehr laufbetont", sagt Mareike.

Im A-Finale dann gelangen zwar keine perfekten Läufe. Dennoch waren sie zufrieden. Es sprangen die besten Ergebnisse der Woche heraus: Isabel erreichte Rang 37, Mareike Platz 42. von rund 150 Starterinnen. Siegerin wurde die Schweizerin Simona Aebersold.

Am dritten Wettkampftag folgte der Sprint. Die exakt drei Kilometer lange Strecke durch Tampere wurde von Mareike und Isabel unterschiedlich bewertet. Während Isabel ("Ich bin nie richtig ins Laufen gekommen") auf Rang 70 einkam und mit der fehlenden Tempohärte und mehreren Routenwahlfehlern haderte, belegte Mareike Rang 50. Richtig zufrieden war sie allerdings auch nicht: "Ich war zwar läuferisch fit, hatte aber gleich am Anfang eine kleine Mauer übersehen." Mindestens 30 Sekunden - im Sprint direkt einige Platzierungen - gingen dadurch verloren. Der Rest sei dann ok gewesen, "so aber war es nur Top 50 und nicht die Top 30, die auch drin gewesen wären." Gold ging erneut an die Schweizerin Aebersold.

Nach einem Ruhetag folgte die Königsdiziplin: die Langdistanz. 7,6 Kilometer durch das sumpfige finnische Terrain standen an. 146 Juniorinnen machten sich auf die Strecke, die erneut von der Schweizerin Aebersold dominiert und gewonnen wurde. Bei ihr blieb die Uhr bei 56:03 Minuten stehen, während es die Zwillinge aus Regensburg schafften, fast auf die Sekunde genau die gleiche Zeit zu laufen. Isabel war eine Sekunde schneller und kam nach 1:20:41 Stunden auf Rang 73, Mareike direkt dahinter auf Rang 74. Beide haderten mit Kleinigkeiten. Bei Isabel ging am Ende die Luft etwas raus, ohne größere Fehler zu machen. Mareike sagte, dass sie am 13. Posten etwa drei Minuten verlor und danach "komplett tot" gewesen sei.

Zum Abschluss stand noch die Staffel auf dem Programm. Isabel stand für die erste Staffel Deutschlands als Startläuferin an der Linie, Mareike war Schlussläuferin der zweiten Deutschland-Staffel. Die erste Staffel kam auf Rang 21 liegend von der Startstrecke zurück: "Ich war phasenweise alleine unterwegs, wodurch ich Zeit verlor", analysiert Isabel, "zudem war ich nach der langen Woche konditionell völlig fertig." Ähnlich berichtet Mareike über ihren Lauf, den sie fast komplett alleine bewältigen musste - für eine Staffel ungewöhnlich. Am Ende wurde Deutschkand I hervoragender Neunter, Deutschland II kam auf Rang 21 ins Ziel.

Traditionell überlegten sich auch diesmal alle Nationen für das Abschlussdiner einer kraftraubenden Woche ein schönes Outfit. Das deutsche Team entschied sich für elegante schwarze Kleider bei den Damen und weißem Hemd mit schwarzer Flieger bei den Herren. "Die Party zum Abschluss war super. Insgesamt hatten wir eine Wahnsinns-Woche mit meist sehr gutem Wetter. Wir wollen uns bei den Trainern Chrafti und Christoph für die tolle Unterstützung bedanken", so die beiden bayerischen Juniorinnen nach dem Ende der Wettkämpfe.

Zusammenfassung der bayerischen Ergebnisse bei der JWOC 2017 in Tampere:

Mitteldistanz: 37. Isabel Seeger, 42. Mareike Seeger
Sprintdistanz: 50. Mareike Seeger, 70. Isabel Seeger
Langdistanz: 73. Isabel Seeger, 74. Mareike Seeger
Staffel: 9. GER I (mit Isabel Seeger), 21. GER II (mit Mareike Seeger)

Bericht/Interview: Fabian Scheler
Bilder: Dave Yee (2), Nationalteam (1)

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