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Training im heimischen Garten – das geht auch auf Leistungssport-Niveau!

Kategorie: Gerätturnen, Turngau Nürnberg-Fürth-Erlangen, Turnbezirk Mittelfranken
26.01.2021 15:21

Corona hat den Vereinen so einiges abverlangt und tut das noch immer – geniale Ideen sind also gefragt. Wir haben euch aufgefordert, uns diese zu schicken. Heute stellen wir euch Anna vom MTV Stadeln mit ihrem "Projekt" vor!

Beim MTV Stadeln in Fürth haben die Leistungsturner ihr Training kurzerhand in den Garten einer der Turnerinnen verlegt – inklusive aufwändig organisiertem Balken! Die 14-jährige Anna Karolina Kotulla berichtet, wie sie mit viel persönlichem Einsatz und mit Hilfe des Vereins, der Eltern und sogar Sponsoren eine ganz besondere Art des Trainings für ihr eigenes Wettkampf-Team und die anderen Turner ermöglichen konnte – vielleicht auch eine Inspiration für andere Vereine?

Anfang Juni und mitten im Lockdown suchten unsere Trainer nach einer Möglichkeit, auch außerhalb der Turnhalle (wegen der schwer umsetzbaren Hygienekonzepte) ein Training abzuhalten. Soziale Kontakte wurden ja heruntergefahren usw.

Sehr enttäuscht und demotiviert redete ich mit meinen Eltern über die Gesamtsituation. Einer der vielen Leitsprüche meiner Mutter ist: Pläne sind da, um sie zu ändern... Also, liebe Mum, zaubere doch mal und verschaffe uns irgendwie ein Training! Wir waren gut bei der Bezirksmeisterschaft in Bad Tölz, waren sehr gut bei den regionalen Wettbewerben und nun... Stillstand!

Eine verrückte Idee wird in die Tat umgesetzt 

Nach vielem Grübeln und Bitten entschieden meine Eltern, das Projekt Gartenturnen zu starten. Viel frische Luft, Einbindung meiner Trainerinnen, einiges an Desinfektionsmitteln, Wahrung von Abstandsregeln - klingt doch genial! Das nächste kleinere Problem bestand darin, dass wir zwar eine große Gartenfläche hatten, aber keine Gerätschaften. Meine Airtrack reichte zwar fürs Erste, aber Balken oder sonstiges? Fehlanzeige. Mir kam die verrückte Idee, spontan einen Balken zu kaufen – um dann festzustellen, dass die Preise sehr, sehr hoch waren. 

Beim Surfen im Netz auf Ebay-Kleinanzeigen fand ich dann einen gebrauchten Balken, den eine Schule aussortiert hatte und der zum Verkauf stand. Guter Zustand und in Norddeutschland abzuholen. Ähm... wir sind in Bayern... Balken in Norddeutschland... Spedition zu teuer... wieder eine Hürde zu lösen! Hier ermutigten mich wieder meine Eltern im Netz nach einer Spedition zu suchen, die einen Balken durch ganz Deutschland transportiert, von oben nach unten. Gesagt, getan, gefunden! Hier ist zu sagen, dass zwar mein komplettes Taschengeld und Oma-Geld drauf gingen, aber die Sache war und ist es wert. Okay, meine Eltern gaben auch die restlichen paar Kröten dazu :-).

Der Balken kam mit leichter Verspätung gegen 21 Uhr an. Die Freude war so groß, dass ich bereits am Abend ein paar Übungen geturnt habe. Ich kann mich noch genau daran erinnern, da ich an diesem Abend von Mücken zerstochen wurde. Meiner Trainerin Christine habe ich natürlich auch sofort geschrieben, dass nun endlich, nach einer langen Zeit ohne Training, unser Gartenprojekt/Gartenturnen starten konnte. 

Zusammenhalt im Verein ist alles! 

Christine Wiedenbauer ist seit 50 Jahren im Verein und hat die Ehrenurkunde der Stadt Fürth erhalten. Alle Trainer sind immer für uns und für mich da. Christine ist, wie ich, sehr leistungsorientiert. Christina Casper, unsere zweite Trainerin, hilft uns in den Feinheiten, ist auch für die Kleinen da. Christina war auch diejenige, die mit uns im leichten Regen trainierte und uns später Tee und Kakao gab. Jenny ist Wettkampfrichterin und bringt uns die Atmosphäre des Wettkampfes bei, trainiert, lacht, und macht ab zu auch einfach Quatsch mit uns. 

Mein Wettkampf-Team besteht aus vier weiteren Turnerinnen – Xenia, Julia, Melina, Helen. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden, trafen uns auch außerhalb des Trainings. Leider ist dies coronabedingt auch eingeschlafen, was ich sehr schade finde. Wie alle anderen versucht man mit Videokonferenzen in Kontakt zu bleiben. 

Das Gartenprojekt fanden wir also eine sehr schöne Möglichkeit zur Trainingsaufnahme nach dem ersten Lockdown und als Abwechslung. Wir haben uns wiedergesehen und geturnt. Eigentlich waren die anderen ja „nur“ Besucher, die ein wenig trainiert haben :-). Alle Turnerinnen, ob groß oder klein, Trainerinnen und natürlich ich am meisten, waren begeistert, dass wir endlich wieder trainieren konnten.

Durch das Sponsoring des örtlichen Rewe-Marktes bzw. Herrn Kneuer mit Wasser und Co., die Hilfe meiner Eltern und der Firma SoftMaker, meine Trainerinnen, die das Hygienekonzept mal schnell nach draußen verlegten und unseren Hausmeister, der kurz den Balken um 21 Uhr aufbaute, war es möglich, dass Groß und Klein wieder trainieren konnten - nicht in der Halle, aber im Garten.

 

Text: Anna Karolina Kotulla, Fotos: privat/Uwe Schwarzbach

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