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Der bayerische Orientierungssport wächst!

Kategorie: Orientierungslauf
29.03.2018 13:00

Die Vereinsbefragung OL Bayern 2018 zeigt einen Zuwachs bei den Aktiven von mehr als einem Drittel seit 2012. Die strukturellen Probleme in der Fläche bestehen aber fort.

Bayernkarte mit der Verteilung der OL-Vereine und der Angabe ihrer Größe: Die Ballung im südlichen Ostbayern ist ebenso unübersehbar wie die fehlenden Vereine in Unterfranken und Schwaben.

Bayernkarte mit der Verteilung der OL-Vereine und der Angabe ihrer Größe: Die Ballung im südlichen Ostbayern ist ebenso unübersehbar wie die fehlenden Vereine in Unterfranken und Schwaben.

Altersstruktur der Orientierungssportler in Bayern. Gegenüber 2012 sind alle Altersgruppen gewachsen, am stärksten die Kinder von 6 bis 13 Jahren.

Altersstruktur der Orientierungssportler in Bayern. Gegenüber 2012 sind alle Altersgruppen gewachsen, am stärksten die Kinder von 6 bis 13 Jahren.

Zum zweiten Mal nach 2012 wurde eine Vereinsbefragung bei den bayerischen Orientierungslauf-Vereinen durchgeführt, um Einblicke in die Struktur und die Größe der OL-Szene zu erhalten. Erhoben wurden dabei die dem Orientierungssport zuzurechnenden Mitglieder nach dem Muster der Bestandserhebung des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV). Aus dieser können keine verwendbaren Daten herausgezogen werden, da die Orientierungsläufer dort unter Turnen gemeldet und nicht separat ausgewiesen werden.

Die Erhebung 2018 erbrachte 806 Orientierungssportler in 27 Vereinen. Darin enthalten sind auch einige Doppelmitgliedschaften, so dass realistisch von rund 650 aktiven Orientierungsläufern in Bayern ausgegangen werden kann. Die Vereinsbefragung 2012 hatte als Ergebnis 587 Orientierungssportler in 35 Vereinen erbracht. Diese Zahlen untermauern die zu beobachtende Entwicklung im bayerischen OL-Sport. Besonders erfreulich ist der deutliche Zuwachs bei den Aktiven um 37 % innerhalb von sechs Jahren, aber auch der Trend zu immer weniger immer größeren Vereinen hat sich leider fortgesetzt.

Die größte Altersgruppe machen weiterhin die Erwachsenen zwischen 41 und 60 Jahren aus, wo alleine 257 Sportler gezählt wurden. Nahezu eine Verdoppelung konnte in der Altersgruppe zwischen sechs und 13 Jahren beobachtet werden, wo nun 166 Nachwuchssportler gezählt werden konnten. Insgesamt sind mit 388 knapp die Hälfte der Orientierer jünger als 27 Jahre, 418 sind 27 Jahre oder älter. Bei der Geschlechterverteilung bleibt es beim Männer-Überschuss: 56,7 % der Orientierungsläufer sind männlich, 43,3 % weiblich. Hier konnte sich das Verhältnis aber annähern, denn 2012 war der Männeranteil noch bei 62,0 % gelegen, der Frauenanteil nur bei 38,0 %.

Bei der Vereinsstruktur geht ein Trend in Richtung eigenständige Orientierungssportvereine. Waren es 2012 nur zwei, so sind es 2018 bereits vier reine OL-Vereine. Am häufigsten kommen jedoch weiterhin OL-Abteilungen in Mehrspartenvereinen und auch Einzelsportler in Vereinen ohne Abteilung/Sparte vor. Während es auch immer mehr OL-Sportler in kombinierten Abteilungen mit anderen Sportarten (z.B. Leichtathletik oder Skisport) gibt, ist erstmals in keinem bayerischen Verein der Orientierungslauf mehr in der Turnabteilung angesiedelt.

Bei der räumlichen Verteilung ist weiterhin zu beobachten, dass sich der Orientierungssport auf lediglich fünf der sieben bayerischen Bezirke konzentriert. Während der Trend in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz nach oben geht und die Zahlen in Oberfranken und Mittelfranken rückläufig sind, gibt es in Unterfranken und Schwaben nach wie vor keinerlei OL-Strukturen. Am stärksten vertreten ist weiterhin der Sportbezirk Oberpfalz (329 Personen im Vergleich zu 196 vor sechs Jahren), gefolgt von Niederbayern (220/158). Oberbayern (128/67) hat Oberfranken (108/141) mittlerweile überholt, Mittelfranken (21/25) ist nahezu stabil auf niedrigem Level. Leider ist der OL-Sport nur in 17 der 76 bayerischen Sportkreise vertreten, fehlt also in vielen Teilen der bayerischen Sport-Landkarte gänzlich. Am aktivsten wird der Sport in den Sportkreisen III-1 Regensburg (325), II-2 Deggendorf (157) und IV-4 Coburg (93) ausgeübt.

Die Masse der Orientierungssportler gehört sieben großen Vereinen und Abteilungen mit über 50 Mitgliedern - darunter ein Verein mit über 100 Mitgliedern - an, die Mehrzahl der OL-Vereine bilden jedoch Kleinvereine mit weniger als 25 OL-Sportlern, häufig sogar mit weniger als zehn OL-Sportlern.

Was sind nun die Folgerungen aus der OL-Bayern-Vereinsbefragung 2018? Zum einen hat sie gezeigt, dass der Orientierungssport in Bayern mittlerweile die zahlenmäßigen Voraussetzungen zur Gründung eines selbständigen Kleinst-Sportfachverbandes im BLSV erfüllen würde - zunächst unabhängig von den weiteren Folgen, Chancen und Risiken eines derartigen, wohl zu überlegenden Schrittes. Sie zeigt auch erfreuliche starke Zuwächse bei den Athletenzahlen ausnahmslos in allen Altersbereichen, vor allem aber im Nachwuchsbereich. Damit untermauert sie, dass der eingeschlagene Weg zur Entwicklung des OL-Sports in Bayern grundsätzlich funktioniert und positiv ist.

Allerdings offenbaren die Zahlen auch die nach wie vor bestehenden strukturellen Probleme des Orientierungssports, der nach wie vor nicht in der Fläche adäquat vertreten, sondern nur inselhaft organisiert ist. Abseits von einigen Leuchtturmprojekten und Großvereinen findet die Sportart in vielen Teilen Bayerns schlichtweg nicht statt. Dem Rückgang der Vereinszahlen und der Verstärkung der Konzentration auf wenige Räume gilt es zu begegnen. Ein vordringliches Ziel für die nächsten Jahre muss sein, den Orientierungssport auch in Unterfranken und Schwaben wieder zu verankern, um die Sportart in ganz Bayern anbieten zu können. Der Landesfachausschuss OL freut sich hier über Ideen und Mitwirkung, um diese Ziele zu erreichen.

Text & Grafiken: Ralph Körner

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